Pilz am Baum: harmlos oder gefährlich?

Welche Pilze ein Warnsignal sind – und welche meist unbedenklich.

Die Kurzantwort

Viele Pilze am Baum sind harmlos – vor allem die, die auf abgestorbenen Ästen oder alten Stümpfen wachsen. Andere zeigen, dass das Holz im Inneren zersetzt wird, oft schon weiter, als man von außen sieht. Entscheidend ist, welcher Pilz es ist und wo er sitzt. Das eindeutig zu beurteilen, ist allerdings meist nicht einfach – auch für Fachleute nicht. Für Laien ist es kaum möglich.

Arboristas Treeservice - Baumkontrolle Schwefelporling

Warum ein Pilz ein Warnsignal sein kann

Was man sieht, ist nur der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz lebt als feines Geflecht im Holz und baut es nach und nach ab – oft über Jahre, ohne dass man etwas bemerkt. Wenn sich ein Fruchtkörper zeigt, ist die Zersetzung meist schon fortgeschritten. Sitzt der Pilz am Stammfuß oder an den Wurzeln, kann der Baum umstürzen. Sitzt er am Stamm oder an starken Ästen, können sie abbrechen.

Diese Pilze nehmen wir sehr ernst

Die Beschreibungen helfen Ihnen einzuordnen, worauf Sie achten sollten. Sicher bestimmen lässt sich ein Pilz damit nicht – viele sehen sich ähnlich, verändern sich im Lauf des Jahres oder sind nur kurze Zeit zu sehen.

  • Riesenporling: Vor allem an Buchen. Große, fächerförmige Fruchtkörper am Stammfuß oder auf den Wurzeln. Er zersetzt die Wurzeln – der Baum kann umstürzen, obwohl die Krone noch gesund aussieht.
  • Hallimasch: Befällt fast alle Baumarten. Im Herbst honiggelbe Pilzbüschel am Stammfuß, unter der Rinde oft weiße, fächerförmige Geflechte. Er kann geschwächte Bäume in kurzer Zeit zum Absterben bringen und ihre Standsicherheit gefährden.
  • Schwefelporling: Vor allem an Eichen und Robinien. Leuchtend gelb-orange Konsolen am Stamm. Das Holz zerfällt würfelig – Stamm oder Äste können brechen.
  • Birkenporling: Nur an Birken. Weiße bis hellbraune Konsolen am Stamm. Die befallene Birke stirbt meist schnell ab, und ihr Holz wird brüchig.
  • Brandkrustenpilz: Vor allem an Buchen, Linden und Ahorn. Eine unscheinbare, schwarze Kruste am Stammfuß, die aussieht wie verbrannt – und deshalb leicht übersehen wird. Der Baum kann trotz voller Krone abbrechen.
  • Zunderschwamm: Vor allem an Buchen und Birken. Hufförmige, graue Konsolen am Stamm. Der Stamm kann an der befallenen Stelle brechen.

Häufig zu sehen – und meist unbedenklich

  • Pilze auf totem Holz: Kleine, oft lederartige oder fächerförmige Pilze wie Spaltblättling, Schichtpilze oder Trameten wachsen meist auf abgestorbenen Ästen, Stümpfen oder liegendem Holz. Sie zersetzen totes Holz und gehören zum natürlichen Kreislauf. Wachsen sie allerdings direkt am Stamm eines lebenden Baums, zeigen sie, dass das Holz dort schon geschädigt ist.
  • Judasohr am Holunder: Die braunen, ohrförmigen Pilze sind am Holunder sehr häufig und kein Grund zur Sorge.
  • Pilze im Rasen rund um den Baum: Viele davon leben in Partnerschaft mit dem Baum und versorgen ihn über die Wurzeln mit Wasser und Nährstoffen – der Fliegenpilz unter der Birke zum Beispiel. Sie schaden dem Baum nicht, im Gegenteil. Anders ist es bei Pilzbüscheln direkt am Stammfuß: Die sollten Sie ansehen lassen.

Was Sie tun sollten

  • Den Pilz nicht abschlagen. Das ändert nichts, denn der Pilz sitzt im Holz. Und ohne Fruchtkörper lässt er sich schwerer bestimmen.
  • Abstand halten, wenn der Baum über Haus, Weg, Auto oder Spielplatz steht und einer der Pilze oben dabei ist.
  • Den Baum vor Ort ansehen lassen. Welcher Pilz, wo er sitzt, wie weit die Zersetzung ist und wie wichtig die Stelle für die Stabilität ist – das lässt sich nur am Baum beurteilen, nicht anhand von Fotos. In vielen Fällen braucht es dafür einen Experten. Wir ziehen dann Fachleute aus unserem Netzwerk hinzu, zum Beispiel einen Baumgutachter.

Und dann?

Je nach Pilz, Befall und Standort gibt es verschiedene Wege: Der Baum wird gefällt, die Krone wird eingekürzt und entlastet, oder der Baum bleibt stehen und wird im Auge behalten. Steht er an einer Stelle, wo er niemanden gefährden kann, kann er auch als Habitatstamm stehen bleiben – als Lebensraum für Spechte, Fledermäuse und Insekten. Wir zeigen Ihnen, was möglich ist, und Sie entscheiden.

Mehr dazu: Ist mein Baum noch sicher? · Baum stirbt durch Trockenheit · Baumfällung

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